Werkzeuge

01/ 2018

Sehr geehrte Homepagebesucher,

anfangs hatten wir auf unserer Homepage viele einzelne Seiten zu bestimmten Werkzeugen, die wir als „vorstellungswürdig“ erachteten. Im Folgenden haben wir diese einzelnen Seiten unter einer Rubrik „Werkzeug“ zusammengefasst, um die Übersichtlichkeit der Seite nicht zu gefährden. Also, viel Spaß und interessante Erkenntinsse bei der Lektüre der jeweiligen (ehemals eigenständigen) Berichte! Wir werden es bei neuen Werkzeugen so gestalten, dass die neuesten Artikel/ Seiten hier immer „oben an“ stehen.


Wie baut man einen Radnabenabzieher für den B1000?
Wer kennt das als Barkas-Schrauber nicht: entweder ist das Radlager defekt (seltener), die Antriebswelle schlägt (seltener) oder der Wellendichtring zum Achsgehäuse hin lässt Öl und Fett Richtung Bremstrommel wandern (hin und wieder). Und wie kommt man da ran? Entweder gar nicht und man kapituliert vor dem meist böse festen Konussitz der Radnabe oder man muss sich (i.d.R. mangels Originalwerkzeug oder mangels ungeheuer kräftigem Abzieher) selbst eine Konstruktion einfallen lassen.
An letzterer Lösung haben sich Horst und Hannes im Frühjahr 2017 versucht und gleich zwei Varianten ausprobiert.
1. Mechanische Variante über Optimierung eines angeblichen Originalabziehers
Original sah das edle Werkzeug so aus, mit einer 10.9 M20-Schraube und entsprechend aufgeschweisster Mutter:

Nach dem ersten zarten Versuch an unserem Beispielantrieb haben wir diese Konstruktion erstmal für ungut befunden. Aus der M20 in 10.9 haben wir dann eine M30x2 in 10.9 gezaubert, die gleich mit zwei Muttern auf der Abziehglocke verschraubt wurde. Das ganze sah dann folgendermaßen aus:

Und nachfolgender Abziehtest war dann auch bestanden:

Wer sich jetzt über die Länge des Hebels lustig machen sollte, hat noch nicht oft B1000-Radnaben abgezogen. Die Intelligenten unter uns würden nun sicherlich mit Ratschlägen kommen „kann man doch auch mit Wärme machen“… das ist sicherlich nicht falsch, würden wir aber nur im Notfall machen. Die Wärmeeinbringung ist i.d.R. nicht kontrollierbar und die Radnabe für die Sicherheitsrelevanz ein nicht unwichtiges Bauteil. Also: lieber erstmal rein mechanisch versuchen! Wenn man das Werkzeug dazu hat…
2. hydraulische Variante über Plünderung des Materiallagers
Alleine aus „Furcht“ davor, dass unsere mechanische Variante nicht reichen würde, haben wir kurz darauf auch noch eine hydraulische Variante ausgetüftelt. Als hydraulischen Kraftwandler haben wir einfach einen handelsüblichen 20 t-Wagenheber verwendet, den wir in ein Gehäuse aus Stahlprofilen implementiert haben. Als „Ankerplatte“ zur Nabe hin dient aktuell noch ein Reststück einer alten Felge, was aber zukünftig gegen eine 10 mm-Platte ausgetauscht wird (das Felgenmaterial ist für die Krafteinwirkung zu dünn):

Abziehversuch: ebenfalls erfolgreich.
Wir hatten zunächst Bedenken aus Unkenntnis der Innenkonstruktion des Wagenhebers, dass die Funktion in waagerechter Arbeitslage nicht gegeben sein könnte (z.B. Lufteinschlüsse im Hydrauliksystem). Aber der Wagenheber arbeitet auch waagerecht so wie er soll. Und damit funktioniert unsere Lösung.
Auch hier gilt wieder: wer über die massive Ausführung schmunzelt, darf gerne alle weiteren bei uns abzuzuiehenden Radnaben selbst abziehen ;).
Also: Nachahmung empfohlen, Lösungen funktionieren.

Zündkerzenprüfgerät „ZKP“

Seit Neuestem befindet sich in unserer historischen fahrzeugtechnischen Sammlung nun auch ein originales Zündkerzenprüfgerät „ZKP“ aus Leipzig.

Mit diesem Gerät war und ist es möglich, die Funktion einer Zündkerze auch unter Last zu überprüfen. Dazu befindet sich an dem Gerät ein Druckluftanschluss, an dem bis zu 25bar Druck anliegen können. Desweiteren ist auch ein normaler 220V- Netzanschluss vorhanden, der später über gewisse Umspannung zur Funkenbildung gebraucht wird. Die Zündkerze der Natur M14 oder M18 wird nun in das Gerät hineingeschraubt und danach unter Druck gesetzt. Jetzt erfolgt über einen Tasterdruck die Funkenbildung wie bei einer Zündung in einem verdichteten Kraftstoff- Luftgemisch. Über ein Spiegel kann man die unter Last gesetzte und arbeitende Zündkerze beobachten (Funkenbildung, Funkenfarbe und -form). Noch dazu ist es möglich, über einen Schieberegler zu testen, wie schnell oder weniger schnell die Isolation der Zündkerze durchschlägt, also wie gut der Funken einer zusätzlichen „Massenbelastung“ (Masse im Sinne von Minuspol) standhält. Und damit auch noch nicht genug- zu guter Letzt ist es möglich, mit einem eingebauten Sandstrahlgerät die geprüfte Kerze zu sandstrahlen und damit wieder ladenneu zu säubern.

Es ist ein wirklich sehr interessantes und nützliches Werkzeug, dass die Fehlersuche teilweise erheblich erleichtert. Danke an Helmut für die Spende des Gerätes an uns.

Technische Daten:
Hersteller: VEB KFZ- Bedarf Leipzig
Typ: ZKP R
Kenn- Nr.: 8841.3
Baujahr: 1980
Leistungsdaten: 220V, 0,3A; Druckluft bis 25bar

Und hier mal das „echte“ Typenschild vom guten Stück.

Hier mal in der Frontansicht. Gut zu erkennen das Manometer, die „Wählscheibe“ für die jeweilige Funktion, den „Funkentaster“, die Strahlbüchse und die „Prüfstände“ selbst ;-)!

Hier einmal die Draufsicht mit den Zündkerzenprüfständen, dem Taster und der Strahlbüchse.

Gute Ostblocktechnik- geht immer.

Und zu guter letzt noch die Strahlbüchse höchstpersönlich^^.
Falls Irgendjemand technische Daten, Betriebs- oder Wartungsanleitungen zu einem solchen Gerät hat, der kann sich sehr gerne bei mir melden. Danke.


Stromerzeuger „VEB Fimag Finsterwalde“

Das neueste „Ersatzteil“ in der großen Barkas- Familie: ein originaler Stromerzeuger der VEB Fimag aus Finsterwalde, Baujahr 1976, ehemals NVA- Gerät. Das Gerät befindet sich erst seit dem 24.10.2009 in unserem Besitz.

Mittlerweile ist das Gerät grob gereinigt worden und hat auch schon die erste Test- Betriebsstunde hinter sich. Echt ein schönes Originalteil für unsere Fahrzeugflotte.

Hier mal in voller Pracht in der Seitenansicht.

Ansicht von der anderen Seite mit Auspufftopf und gut sichtbarem hydraulischem Drehzahlregleraufsatz.

 

Für die Techniker unter euch auch mal ein paar Daten 😉 von Maschine und Generator selbst!

 

Gut sichtabr hier die Luftansaugung mit Motorgitter und auch wieder das hydraulische Reglergehäuse.

Diese unsere Ausführung ist ein Gerät, das via Dekompressionsventil wieder ausgeschalten wird. Man muss sich aber an das tolle Geräusch gewöhnen^^. Einige Motoren hatten auch schon eine Zündunterbrechung.

Hier der Stromkasten, hier laufen sprichwörtlich alle Kabel zusammen. Inhalt: Kondensatzor, Spule, Sicherung, kleiner Verteiler, Betriebsstundenzähler und NVA- Steckdose sowie „An- Aus- Drehschalter“.

In diesem angeflanschten Aufsatz befindet sich eine Art Getriebeöl (riecht zumindest so), dass auf der einen Seite eines der beiden Kurbelwellenlager schmiert und gleichzeitig die Regelung der Benzin- Gemisch- Zufuhr übernimmt (Gestänge zum Vergaser).

Hier das komplette Aggregat und der daraufliegende Stromkasten, vergaserseitig geschaut. Gut zu sehen auch der Nassluftfilter, der auch einen herrlichen Ton beim Betrieb entwickelt. Dieses Gerät soll nun nach und nach instandgesetzt und neu aufgebaut werden, wahrscheinlich in der Farbgebung Hellelfenbein und Taubenblau ;-)!


Schutzgaßschweißgerät „MIG 190 Kombi“ der Fa. Güde

Hier ein paar Infos und ein paar Bilder zu unserem Schutzgasschweißgerät. Gekauft im Dezember 2009. Nach reiflicher Überlegung und des Wachstums von unserem Hobby ist es bestimmt keine falsche Investition. Sicherlich sind die Anschaffungskosten erstmal recht hoch (okay- für alle Kenner- beim Güde geht es noch), vorallem auch für die Flasche (Miet-/Tauschflassensystem). Aber die ersten Fahrradständer, Auspuffanlagen und diverse Kleinigkeiten zum „Üben“ sind schon gefertigt worden. Klasse Gerät muss ich sagen.

Gewicht ohne Flasche knapp 70kg.

Schlauchpaket ist kompatibel mit einem Binzel- Fabrikat und reichlich 4m lang- kann ich auch nur empfehlen. Ein kürzeres Paket ist sicherlich nachteilig, vorallem wenn man im Auto was zu tun hat und das Gerät nicht immer unedingt mit hineinheben möchte (oder man in einer Grube arbeitet). Für alle Bandscheiben- Vorbelasteten: 70kg! Ohne Flasche!

 

Von Güde gleich mitgelieferter Druckminderer.

 

 

Für die Kenner unter euch: das ist eine 5kg- Stahldrahtrolle (sog. „Massivdraht“) mit einem 0,8mm G3Si1 (frühere/ umgänglichere Bezeichnung: SG2), der wohl der am universellsten nutzbare Schweißdraht ist. Betrieben wird der mit dem Gas C18 (Corgon 18- so die Handelsbezeichnung), also ein Mischgas („M“) aus 82% Argon und 18% CO2 (nach DIN EN 439 auch als „M21“ bezeichnet). Optional kann auch die 15kg- Rolle montiert werden. Mit einem Adapter auch die „0,8kg- Sparversion ;-)!

 

Mitgedacht haben die Konstrukteure auf alle Fälle bei dem Hacken für die Krantransport. Das ist gar nicht mal so doof- Lob an Güde.

 

Und hier mal das Herzstück der Drahtförderung.

Hier mal noch eine kleine Tabelle zum Thema der Einschaltdauern und Co. Ich denke, dass die Werte für einen gelegentlichen Hobbyschweißer und auch mal fürs große stabile Gartentor ausreichen sollten.

Und zum Schluss nochmal die Menüführung vom Güde- Gerät. Ich war auch erst recht skeptisch, dass alles über ein Potentiometer gemacht wird, aber es ist echt ganz bedienerfreundlich. Lässt sich alles recht rasch einstellen und ist selbsterklärend. Vorallem (hab ich aber selbst nocht nicht probiert) ist die „Punktschweiß- Funktion“. Gerade wenn man lange/ große Bleche im Auto montieren möchte, dann ist das automatische „Punkt-an-Punkt-setzen“ bestimmt nicht nachteilig.


Drehbank „Leinen MLZ4S“

Durch das alte Format der damals erstellten Seite, konnten wir den Bericht hier nicht vollständig ohne Schäden veröffentlichen. Dehshalb an dieser Stelle als Link, dem man bei Interesse natürlich gern Folgen kann:

Drehbank „Leinen MLZ 4S“

 


Zweisäulenhebebühne

Ist eine Grube oder eine Bühne praktischer?
Diese Frage haben wir uns auch gestellt. Aber wir meinen, das es ganz von der Aufgabe abhängt, die man vor sich hat.
Manchmal ist eine Grube eben besser und manchmal eine Bühne. Am besten also auf beide Versionen zurückgreifen können ;-).
IMG_2835
Hier kann man sich Uwes Bühne anschauen.
Durch das hydraulische System ist eine relativ hohe Last hebbar, in diesem Fall 4,0 t. Somit kann man auch mal einen etwas größeren Transporter oder die schweren Luxuskarossen anheben ;).
Für alle technisch interessierten:

Liftstärke4000kg
Lifthöhemax. 1900mm
Gesamthöhe2824mm
Gesamtbreite3420mm
Innenbreite2810mm
kurzer Arm712-1051mm
langer Arm830-1250mm
Strombetrieb400V/50Hz
Steuereinheit24V

IMG_2883
Das gesamte System besteht aus zwei Hydraulikzylindern, die die jeweiligen Hubwagen der beiden Seiten anheben. Die Sicherung erfolgt zum einen durch mechanische Klinken in gewissen Höhenabständen und einer Stahlseilkonstruktion.
Die Befestigung erfolgt auf einem eigens dafür gegossenem Fundament mit Schwerlastankern.


Kohlenmonoxid-Messgerät „infralyt 1200“

Hier möchten wir ein weiteres interessantes Werkzeug präsentieren. Es ist ein noch funktionsfähges CO-Messgerät zur Abgasmessung an Motoren, wie es zu DDR-Zeiten verwendet wurde. Das „VEB Junkalor Dessau“ gehörte zu den Kunkers-Werken. Es gibt wiederholend das Problem, die CO-Werte bei Motoreinstellung, Motorwechsel, Vergasereinstellung usw. nur zu den jeweiligen TÜV-Terminen überprüfen zu können.

IMG-20160502-WA0000IMG-20160502-WA0002IMG-20160502-WA0001IMG-20160502-WA0003

Interessant ist, dass auf dem Typenschild „VEB Junkalor“ steht und auf der Vorderseite „Junkalor GmbH Dessau“.
Übrigens… die Fa. Junkalor gibt es auch heute noch in Form der „Saxon Junkalor GmbH“, die immernoch u.a. Messgeräte für die Abgasuntersuchung produziert.