Wartburg 1000, Bj. 1964

Und hier präsentiert sich der „Mercedes des Ostens“ und damit eines der schönsten jemals in der DDR gebauten PKW’s: der Wartburg 311-100 „Wartburg 1000“ von Paul. Da wir uns als BARKASteamler ja nun nicht nachsagen lassen wollen, dass wir nur „eingleisig“ sind, haben wir halt auch den ein oder anderen PKW unter unseren historischen Nutzfahrzeugen.

Und hier steht das gute, neue Stück. Das erste Mal (wir schreiben den 26.09.2010) seit über 20 Jahren wieder unter freiem Himmel. Der Vorbsitzer (übrigens: bis zu dem o.g. Datum war das Fahrzeug seit 1964 in ERSTBESITZ) parkte ihn 1990 in der im Hintergrund zu sehenden Garage. Und da blieb das Schätzchen auch. Nur Kühlflüssigkeit wurde abgelassen, Batterie abgeklemmt und alles aufgebockt. Und nun stand er 20 lange Jahre. Sogar das Dach der Scheune wurde zwischenzeitlich erneuert, dass das heilige Blech auch ja trockenem Fußes weiterschlafen konnte.

Und dann kamen wir ins Spiel. An diesem verregneten Samstag verschlug es uns in die Nähe von Fehrbellin zu dem (noch) Besitzer.

Diese Tür war schon seit Ewigkeiten nicht mehr geöffnet. Die Grassoden waren mit dem Holz der Tür verwachsen. Soetwas ist wirklich etwas für das Klischee eines klassischen Scheunenfundes.

Alles vorbereiten. Diese saftig gründe Wiese im Untergrund sieht nicht nur so aus, sie war’s auch wirklich. Im beladenen Zustand hatten wir alle Mühe vom Grundstück zu kommen.

Fertig? Na dann, Tor 1 bitte auf. Und der erste Blickkontakt.

Und gleich ging’s an die Arbeit. Die kurze Regenpause galt es zu Nutzen. Was macht man als erstes? Natürlich Luftpumpen *gg*.

Das ist aber angesichts des engen Schuppens gar nicht so einfach. Und dort, wo man eh schon nicht rankam mussten auch noch die Aufbockungen entfernt werden.

Na, das Rettungsseil zum zweiten Leben des betagten Herren ist schon befestigt.

Letzte Absprachen noch bevor es losgeht. Und wer muss am Steuer sitzen und jede „Bergungs-Schramme“ später rechtfertigen? Hannes.

Und nun zieht und zieht und zieht… dabei machte es ständig „rums, krach, knack“…. weil das Fahrzeug auf Holzdielen stand. Und die Mäuse hatten im Laufe der Zeit alle Arbeit geleistet *gg*.

Noch etwas voll Stroh, aber immerhin schonmal wieder auf den eigenen Beinen. Der Vorbesitzer konnte sich noch genau daran erinnern, wo die Schrauben für die Batterieschiene abgelegt waren und was als letztes (weil der Beifahrersitz demontiert war) großes transportiert wurde. Ein Holzofen.

Und einmal bitte umhängen und umparken.

Das Aufladen auf den Trailer war gar nicht so einfach. Irgendwie waren die Rampen nur für Fahrzeuge mit großer Spurbreite gemacht. Mit dem schmalen Gang des Wartburgs hatten wir echt so unsere Probleme…

Und bitte, ganz genau zirkeln und bloß nicht abrutschen.

Ha. geschafft. Jetzt nur noch alles verzurren und dabei keine nassen Hosen bekommen.

 

Horst musste sogar unters Auto um alle Zurrgurte zu befestigen und zu sichern^^.

Und hier das glückliche Bergungsteam: Horst und Hannes (Maddi machte das Bild ;)) ).

Und jetzt ist mittlerweile der halbe Tag vergangen und wir sind in Frankendorf an der Oldtimerhalle angekommen. Abladen.

Silberpunkt heisst diese schicke Machart der Instrumente.

Maddi war auch ganz fleißig und gönnte dem neuen Mitglied erstmal eine kühle Dusche. Dazu war der Regen unterwegs sehr gut- die ganze Schicht von 20-jähriger Scheunenstandzeit anzulösen^^.

Ein paar Wochen und Monate später, kurz vor Pauls Geburtstag. Wir schreiben den 28.01.2011 und sind fleißig am Basteln in Neuruppin.

Zunächst war das Kraftstoffsystem an der Reihe. Spritleitungen, Tank, Vergaser.

 

Und der Tropfen 20-jährigem Benzins. Ob es noch Kraftstoff aus den DDR-Raffinerien ist? Wir wissen es nicht. Es roch jedenfalls relativ streng und fristet sein Dasein nun nur noch als Waschbenzin. Das Mischrohr des Flachströmers hat auch schon ein bisschen Korrosion abbekommen.

So eine Grube ist doch etwas tolles.

Neben dem Kraftstoffsystem war das Kühlsystem an der Reihe. Neue Kühlschleuche besorgten wir uns von MAN. Leider sind die Dinger ganzschön teuer.

Ein bisschen Elektrik haben wir auch noch nebenbei überprüft. Hier die Messung eines Primärwiderstandes einer der drei Zündspulen.

Alles gesäubert und schöne, nicht zerlutschte Schellen montiert.

 

Und es ging mit der Bremse weiter. Dort war zunächst erstmal nichts mehr zu machen. Und wo fängt man an wenn gar nichts mehr geht? Natürlich am Anfang, am HBZ: HauptBremsZylinder.

Zerlegt und gereinigt. Der ganze Kolben im Zylinder war vollkommen festgegammelt. Wir haben alles vorsichtig gelöst, peinlichst gereinigt und mit Bremsenfett wieder montiert. Die Manschetten hatten noch einen schönen, weichen Zustand. Der Zylinder selbst aber war innen schon ralativ rauh. Den Rest der Bremsanlage haben wir aus Zeit- und Werkzeuggründen erstmal weggelassen. Wir hätten eh nicht die passenden Manschetten gehabt.

Und da es ja eigentlich nur Ziel war, Paul auch ein halbwegs funktionierendes Auto zu schenken, füllten wir noch die Kühlflüssigkeit auf und unternahmen die ersten Startversuche.

Nach ewigen Tüfteleien an der Benzinpumpe, die trotz neuer Ventile und hochflexibler Membran keinen Kraftstoff förderte, dann doch der erse Start. Und die Moral von der Geschicht? Zünde einen alten Wartburg nicht, wenn ein Feuermelder im Raum angebracht ist *gg*.

Nach erster Probefahrt wurde er nun verladefertig für den 18.Geburtstag von Paul in das vordere Carport gestellt.